Lektion3: Dosen kommen in die blaue Tonne
Mülltrennung ist hier auch so eine Sache. Eigentlich ist es nicht so schwer, wenn man es erstmal verstanden hat. Eigentlich kommt alles in die blaue Tonne, außer Glasflaschen, Papier, karton und größere Plastikverpackungen, wie Plastikflaschen z.B. Diese Sachen kommen nämlich in die gelbe Tonne. ist zwar seltsam, dass Plastik in zwei verschiedene Behältnisse kommt. Aber ok.
So langsam leben Anna, Ruth und ich uns ein. Es gibt immer noch viele Dinge zu erledigen, aber so langsam wird dat wat. Wir haben alle unsere Zimmer. Ich hab ein Fahrrad, die Kurse für die Uni sind gewählt, wir haben ein Carde culture, wahrscheinlich bald eine mensa karte. Ab morgen ein französisches Bankkonto, ab hab ich wahrscheinlich ein französisches handy (das deutsche Netz verabschiedet sich exakt zu dem Zeitpunkt, wenn man über den Rhein fährt und ist danach auch nicht mehr auffindbar).
Die Sache mit dem Wohngeld beantragen könnte noch etwas kompliziert werden und die Sache mit dem Auslandsbafög hab ich wohl verschwitzt. Jaja ich weiß. Ich Held.
Dazu fällt mir noch ein. Die erste Woche, in der ich meine neue Heimat bezogen habe, hab ich so ziemlich alles vergessen, was man zum Leben braucht. Zahnpasta, Duschgel, Handtuch, Shampoo, Bettwäsche… gott sei dank hat Anna zwei Nächte bei mir geschlafen (damals hatte keine Wohnung) und hat mir netterweise mit ihrem Zeug ausgeliehen. Ja mein Bett hab ich dann endlich diese Woche Dienstag bezogen (irgendwie kam ich am Montag noch net dazu. Aber hey, es ist echt kuschelig. Ach ja mein Bett. es ist winzig. Hat ein Kopf und ein Fußteil und ist höchstens 1,90m lang. Sprich ich muss mir langsam neue Schlafpositionen aussuchen, weil die üblichen funktionieren leider nicht mehr. Auch wird unsere Bude im Winter ein wahrer Eispalast sein, weil die Fenster hundsmiserabel isoliert sind. Schon jetzt is es abends gut frisch. Nicht zuletzt hör ich die Störche trotz geschlossener Fenster im benachbarten Park abends immer klappern. Und man merkt das es Herbst wird. Die Krähen ziehen auf. Ich hab ständig Hitchkocks “Die Vögel” im Kopf (oder the Crow), wenn riesige Schwärme über mein Kopf hinweg ziehen.
Zum Ausgehen ist Strasbourg ganz nett. Ständig sind irgendwelche ERASMUS-Parties, wo man auf ständig neue Leute trifft, die man aber meistens am nächsten Tag wieder vergessen hat Man hört auf solchen parties die unterschiedlichsten Sprachen und wenn man selbst in einem Gespräch ist, wechseln die Sprachen von deutsch zu französisch zu englisch zu spanisch und wieder zurück. Da soll man noch einen klaren Kopf bewahren. Der Wein tut natürlich sein übriges. Witzgerweise haben die diesen in so tussigen kleinen fast schon winzigen Weingläschen, bei denen man die hälfte verschüttet hat, bis man von der Bar zurück zur Gruppe gelaufen ist.
Heut abend ist z. B. die erste ERASMUS-Disco. ich bin gespannt, ob viele Leute dortsein werden, oder ob wir nur eine handvoll sind. Was ich aber auf jeden FAll empfehlen kann sind die Flams! Richtig geile leckere Flammenkuchen, die es in den verschiedensten Variationen gibt. Egal ob süß oder sauer - es ist definitiv für jeden etwas dabei.
Ach ja noch eine kleine Kloanektdote. Unser Klo ist natürlich wieder so klein, dass man morgens wenn man sich hinsetzt gleich wieder einpennen könnte, weil man den Kopf an die Tür lehnen kann, die direkt vor einem ist. Genau so kuschlig wie auf Julis Toilette. Und in der Uni gibt es eine Pissrinne, die mit Pissoirs übermauert wurde. Nur die Anschlüsse wurden irgendwie nicht sauber gelegt, sodass der ganze Saft aus den Pissoirs wieder direkt in die Pissrinne tropft und von dort dann in den Abfluss. Da fragt man sich doch: Warum gibt es überhaupt Pissoirs dort??
Neue Vokabeln: le beau fils ist der schwiegersohn und la belle mere die schwiergermutter. beau und belle bedeuten beidesmal schön/hübsch. Also kein Vergleich zum Schwiergermonster, oder zum Schwiergerdrachen in Deutschland. Hier freund man sich auf die Familie des anderen ;) und wer hätte es gedacht: quasi ist ein französisches wort.