Ich und mein Kanister voll Blut
Jaja, klingt abartig, ist es auch, Doch bevor ich dazu komme, hier einige Kleinigkeiten, die ich wieder neu gelernt habe.
In Frankreich erfahren die Fahrschüler immer erst per Brief ob sie die praktische Prüfung bestanden haben, oder nicht. Und iwsst ihr auch warum? Jemand hat mal aus Wut den Prüfer zusammen geschlagen und deswegen bekommt jeder das Ergebnis mit der Post. Somit dauert jede Fahrprüfung die übliche Zeit.
Hab gestern erfahren, dass Heidi, unsere liebe Heidi von der Alm eine Japanerin ist. Wusstet ihr das?? sie kommt aus Japan genau wie Tao Tao (gut, da sollte man schon allein wegen des Namens stuzig werden). Aber das Heidi japanisch ist… alle Kinderheitserinnerungen umsonst.
Hier mal ein kleiner Franzosenwitz: Wie heißt Trabi auf französisch: carton de blamage. und wie heißt die Schwiegermutter auf französisch? Grand Malheur. Noch einer?? Selbst der Papst hat festgestellt das Pariser ein Werk des Teufels sind. Das gilt hoffentlich auch für die restlichen Franzosen. Aber wenn es euch beruhigt. Die Franzosen haben dafür viele Nazi-, Juden- und Somalia witze. Manche witzig, manche richtig richtig derb. Aber naja jedem das seine.
Hier ist jetzt der WEihnachtsmarkt übrigens in vollem Gange. Und ich kann nur sagen: Augen-OP ich komme. soviel grelles Licht kann einfach nicht gut sein. Kein Wunder, dass die Vögel im Park bei mir gegenüber schon nachts um 2Uhr anfangen zu zwitschern. Es gibt an Lichtern wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann. riesige Vorhänge in rot und gelb eingepackte Bäume, die in allen Farben glitzern. La Fayette erstahlt auch in einem dezenten (Vorsicht: Ironie!) rosa, Kronleuchtern erhellen diverse Gassen und überdimensonal große giftgrüne Kugeln, glitzern über langen Straßenzügen…. es ist also wirklich richtig schön kitschig. Zu meiner Schande muss ich geschehen, dass ich noch nicht wirklich drüber gelaufen bin. Ich wollte ja, aber mir kam leider etwas anderes dazwischen… ich musste ins Krankenhaus.
Ihr könnt alle ganz normal weiter atmen und Oh Gott, müsst ihr auch nicht rufen, ich bin schon wieder zu Hause und es ist so ziemlich alles gut verlaufen. Ich hatte sowas ähnliches wie einen Leistenbruch. Ist urplötzlich am Samstag abend aufgetreten. Mein Vermieter hat mich dann mehr oder weniger schnell (naja ein Rentner mit um die 75 is halt auch nicht mehr der schnellste) ins Krankenhaus nach Kehl gefahren und dort wurde dann gleich ein OP-Termin ausgemacht. Sollte zuerst dort schon bleiben,a ber ich konnte mich nochmals loseisen, sodass ich erst am Dienstag zur OP musste. Am Dienstag also mit diversen Bussen nach Kehl rüber gejuckelt, damit ich um 7Uhr auf der richtigen Station einträfe. Hat auch alles geklappt, nur Auskunft, wann ich denn jetzt genau unters Messer komme konnte mir keiner geben. ich wäre wohl nicht der erste sondern so der 3, oder 4. Das wisse man noch nicht so genau. Trotzdem solle ich es mir doch schon mal bequem machen. Trotz gewissem Quengeln meinerseits durfte ich nicht noch eine Weile rumlungern, sondern sollte mich gleich OP-fertig machen. Erster Bonus von mir: Ich hab mich bereits rasiert. Hab Gott sei dank, nachgehakt bei der Ärztin im Vorgespräch am Montag. Und glaubt mir ich war heilfroh drum, nachdem ich gesehen habe, wer und wie das bei meinem Zimmergenossen gemacht hat/wurde. Trotzdem ließ es die Schwester sich nicht neben sich nochmal selbst von meinen Künsten (Rasierkünsten) zu überzeugen. Schlimm, wie oft ich in der Zeit im Krankenhaus im warsten Sinne des Wortes die Hosen runterlassen musste. Nicht genug der Demütigung, es ging gleich weiter mit diesem neckischen Kittel, der hinten tief blicken lässt und Thrombosestrümpfe, die bis zur Mitte des Oberschenkels reichen. Um mein Outfit optisch endgültig zu perfektionieren hat man mir auch noch meinen Schlüpfer genommen und mir einen Einmal-Slip Marke extra-durchsichtig und extra-groß zu geben. So verweilte ich dann geschlagene 5 Stunden in meinem Bett, bis ich endlich in den Narkoseraum gerollt wurde. Dort war es dann ganz witzig. Hätte auch noch länger mit der Anästhesistin geredet, wenn die mir nicht so ein verdammt starkes Zeug gespritzt hätte. Wollte wohl auch ihre Ruhe haben… Sie hat mich nur noch gefragt (wohl gemerkt auf französisch, weil sie mit mir nur auf franzakkisch geredet hat) ob ich schon einen schönen Traum wüsste, und dann gingen auch schon die Lichter aus.
Auf gewacht mit einer Pipline in mein Handrücken und eine Pipline aus meinem Bauch raus. Hierbei handelte es sich Gott sei dank nicht um einen Blasenkatheter, sondern um den oben genannten Kanister voller Blut. Meine Rettung (so heißt das Teil). Der Einstich war irgendwie 10cm entfernt von der Wunde und das Kabel führt unterbäuchisch zur Wunde hin und saugt dort alles ab, damit es gut verheilen kann. Meine Träume, dass das ganze tatsächlich nur eine ambulante OP wäre, wurden ziemlich schnell zerschlagen. Der Eingriff war doch komplizierter als gedacht und deswegen muss ich zur Überwachung 1 Tag dort bleiben. Daraus wurden halt dann gleich mal 2 gemacht. War auch richtig so, ich bin nachm ersten Tag blutüberströmt aufgewacht, weil mein Verband nicht dichtgehalten hat. Das war vielleicht eine Sauerei. Aber die Schwestern sind morgens ja so im Stress, da wünscht man sich schon ein wenig privat versichert zu sein und seine eigene Krankenschwester zu haben. Wie dem auch sei, ich hab jetzt - um mal etwas Ghetto-Slang hier reinzubringen- eine Votz aufm Bauch. Und zwar eine doch ziemlich große. Was bedeutet, aufm Bauch schlafen is in nächster Zeit nicht. Verdammt! Dementsprechend bescheiden waren auch die letzten Nächte. Aber im Krankenhaus konnte mein türkischer Zimmernachbar immerhin auch nicht schlafen, sodass die Nächte wenigstens nicht ganz so uninteressant waren. Tagsüber hatte ich mehrfach besuch von einigen Franzosen und von Anna die sich herzallerliebst um mich gekümmert hat. Hab sogar 2Weihnachtstürchen von ihr bekommen, weil ich die Türchen von Ruth ja nicht aufmachen konnte (oh, hab ich noch nciht erwähnt, dass wir Adventskalender für einander gemacht haben?? Nein, gut später mehr). Auch meine Ellis haben es sich nicht nehmen lassen mal bei mir vorbei zu schauen und sich persönlich zu vergissern, dass ich noch lebe undmir nicht zuviel zumute. Hab hier mittlerweile schon den Spitznamen Papi (Koseform für Opa) und petit handicapé (und kleiner Behinderter)weg. Übelnehmen kann ich es ihnen nicht, weil mein Tempo in den ersten Tagen war das einer Schildkröte, die auf dem Rücken liegt. Glücklicherweise war ich trotzdem noch schneller wie mein Zimmergenosse. Der kam ja mal überhaupt nicht voran, obwohl der n Rollstuhl hatte!!
Die Rettung wurde dann am Tag meiner Entlassung gezogen ohne Schmerzmittel, ohne sonst irgendwas… gut, ich hatte ja immer noch ein gewisses Niveau, nachdem die Vigor (die Kanüleöffnung an meinem Handrücken) auch wirklich ausgereizt wurde. Hab am 1. Tag insgesamt um die 9 Fläschen durchgejagt bekommen. 3 Antibiotika, 2 Flüssigkeit, und 4 oder 5 mal Schmerzmittel. Da hat man auch in der Nacht keine Pause gemacht. Doch zurück zur Rettung. Das is total faszinierend. Die Schwester hat mir zwar eigentlich verboten zu gucken, wenn der Schlauch rausgezogen wird, aber mal ganz ehrlich, würdet ihr nciht auch neugierig sein, wenn da ein Schlauch mit Vakuum in euren Bauch hineinverläuft?
Ich war ganz ergriffen. Gut er is echt lang unterhalb des Bauches (so um die 12cm) und es gibt ein sabberndes und pfeifendes Geräusch, wie wenn man aus einer nassen Luftmatraze die Luft rauslässt. aber Danach sieht man das Loch im Bauch, ja ein richtiges Loch und vor allen Dingen: es blutet nicht, es bleibt einfach ein Loch, wiel da wohl die ganze Zeit der Sog draufwar und deswegen saftet das net sondernlich. Cool!
Ja, jetzt muss ich etwas Bettruhe halten, und bekomm hoffentlich am Montag die Fäden gezogen. Dann verschwinden langsam auch hoffentlich alle blauen Flecke (sieht echt abartig aus, ich denke, das reicht um eure Fantasie anzukurbeln). Aber wie heißt es so schön, wer Narben hat, hat auch etwas erlebt. Und das Krankenhaus war doch ein kleines Abenteuer, wenn man es von der optimistischen, leicht zugedröhnten Sichtweise betrachtet. Wenn nur der blöde Rest nicht wäre und ich mich jetzt schon wieder voll belasten könnte.
Noch kurz zum Adventskalender. Anna, Ruth und ich hatten uns entschieden, dass jeder dem anderen einen AK macht. Ich mache einen für Anna, Anna für Ruth und sie für mich. Waren schon witzige Dinge drin. Z. B. Streichhölzer mit kleinen Bildchen von unseren Reisen und Unternehmungen hier, Kaffeesahne, damit ich für meinen Besuch nicht immer Milch von Sabine klauen muss. Richtig geile Räuchersalami, einen Nikolaus, Honig… etc. gespickt mit witzigen Kommentaren von Ruth.
So, jetzt hab ich euch wieder erschlagen mit Geschichten. Sorry, ich kann mich einfach nicht kurz fassen. Désolée